Kleiner Auszug davon, wie wichtig es ist neue Pläne zuzulassen

Trampen bis nach Bordeaux, das war der Plan. Wieso Bordeaux? Zum Segelboot der ersten Crew musste ich eigentlich bis nach Vigo in Galizien kommen. Ich hatte aber nur ein Zeitfenster von 4 Tagen, da ich vorher in Deutschland noch so viele anderen Dinge vor hatte. Und in 4 Tagen bis nach Vigo zu trampen habe ich für utopisch gehalten, da ich nicht nur den ganzen Tag im Auto sitzen will und es auch einfach mal nicht gut laufen kann! Letztes Jahr bereits habe ich Trampen das erste Mal so richtig ausprobiert. Ich habe es mir als Probe für diese große Tramp-Reise und das Segel-Tramp-Abenteuer vorgenommen, vorher wenigstens einmal zu probieren wie das alles so läuft. In 5 Tagen wollte ich von meiner Heimat in Oberfranken bis nach Bari in Süditalien trampen. Diese Strecke habe ich in dem Zeitrahmen natürlich nicht geschafft also habe ich mir diesmal weniger vorgenommen. Zu meiner Tramp-Reise aus dem letzten Jahr kommt vielleicht die Tage auch nochmal ein Rückblick. Auf jeden Fall habe ich nach Direktverbindungen aus Frankreich nach Santiago de Compostela/Vigo recherchiert, um ein Ziel anzuvisieren, das nicht ganz so weit weg ist. Und dabei ist eben Bordeaux heraus gekommen. Wieso eigentlich trampen? Bereits letztes Jahr habe ich gemerkt, wie viel es mir gibt unterwegs zu sein und nicht genau zu wissen mit wem man fahren und wo man genau heraus kommen wird. Vor allem wenn Leute einen mitnehmen und so lieb zu einem sind, gibt das mir direkt wieder Hoffnung in die Menschheit und man fühlt sich so schnell verbunden und dankbar für alles was kommt. Auch lernt man dadurch so schön, im Moment zu bleiben. Außerdem reise ich natürlich auch mit dem Ziel, so ökologisch wie möglich unterwegs zu sein. Halb leere Autos sind genug unterwegs, also wieso nicht bei denen mitfahren?

Seit Sonntag dem 13.09 bin ich jetzt unterwegs. Von Gießen aus bin ich erstmal mit viel zu viel Gewicht auf dem Rücken mit dem Zug Richtung Karlsruhe gestartet. Karlsruhe habe ich mir ausgesucht, weil dort eine gute Verbindung Richtung Süden/Frankreich über die A5 besteht. Vormittags bin ich also zu Fuß vom Karlsruher Hauptbahnhof zu einer Tankstelle in Autobahnnähe gelaufen. Irgendwie war es auf einmal super warm in Karlsruhe und die 30 Minuten Fußweg, die mir Google Maps angezeigt hat, wurden irgendwie nicht weniger. Zwischendurch war ich so dehydriert, dass ich meinen Rucksack kurz absetzen wollte, um zu trinken. Zu dem Zeitpunkt war ich jedoch schon so platt, dass ich meinen Rucksack nicht mehr auf meinen Rücken stemmen konnte. Nur weil ein paar Meter entfernt eine niedrige Steinmauer war, konnte ich ihn dort absetzen und dann aufhuckeln. Mein Rucksack ist wegen einiger Segelbücher, die ich unbedingt mitnehmen wollte, viel zu schwer geraten. Der Plan ist, die Bücher dann auf dem Segelboot zu lassen und danach ohne Bücher weiter zu reisen, wie das normale Backpackerinnen so machen. Aber jetzt am Anfang musste ich mit diesem ca. 30kg schweren Rucksack klar kommen. Bei der Tankstelle angekommen habe ich erstmal eine halbe Stunde Regeneration eingeschoben: 3 Stücke syrische “Pizza”, ein Pfirsich und ca. 1 Liter Wasser haben mich gestärkt. Na gut, da ich bei meiner Freundin Lilian die Nacht zuvor nur etwas mehr als 4 Stunden geschlafen habe, war ich offensichtlich nicht in Top-shape, aber irgendwie hat das dann trotzdem gepasst. Anfangs ist es immer erstmal eine Überwindung fremde Menschen anzusprechen. Und dann grübelt man auch und fragt sich, welche Person man denn nun am besten ansprechen könnte. Zwei Männer mittleren Alters mit Sportwagen? Hm. Das schick angezogene Paar im Porsche? Naja da gibts eh nur zwei Plätze… Ein paar allein fahrende Frauen und Männer habe ich dann gefragt ob sie Richtung Autobahn fahren: Fehlanzeige. Andere Autos waren schon komplett voll und generell waren viele anscheinend auf einer längeren Reise und mit viel Gepäck unterwegs. Das hätte ich an einem Sonntag außerhalb der Sommerferien überhaupt nicht erwartet. Aber gut, letztendlich ist das gut für mich, dachte ich mir, dann ist sicher jemand passendes dabei. Zwischenzeitlich habe ich mir darüber Gedanken gemacht, wie sehr ich eigentlich die Menschen nach Aussehen, Geschlecht, Auto und generellem Auftreten bewerte und anhand meiner Erfahrungen und Einschätzungen manche Menschen eben nicht nach einer Mitfahrgelegenheit frage. Schon eigentlich krass, aber gut, irgendwie ist mein Bauchgefühl anhand des Auftretens der Leute auch meine einzige “Lebensversicherung” und das einzige Sicherheitsgefühl, das ich mir geben kann. Letztendlich kam dann ein Van auf den Parkplatz gefahren. Ausgestiegen sind ein etwas zerstreut aussehender Vater und sein ca. 16-jähriger Sohn. Perfekt, die nehmen mich safe mit, dachte ich mir. Also bin ich erstmal vor den Tankstelleneingang gegangen und habe dort gewartet, bis sie (und auch andere, die ich fragen könnte) wieder nach draußen kommen. Andere kamen zuerst, also habe ich auch sie gefragt, die Richtung stimmte aber wieder nicht. Vater und Sohn wollten Richtung Freiburg und haben mich dann auch wirklich mitgenommen. “Nur wenn es dir nichts ausmacht wenn zwei große Hunde im Auto sind und ansonsten ist es auch total chaotisch und dreckig”. “Ah nee, gar kein Problem!”, sagte ich. Nachdem ich von dem einem Hund einmal angebellt wurde (Schweizer Schäferhund), waren anscheinend alle Anfangsprobleme geklärt und wir konnten uns gemeinsam den großen Fußraum der Rückbank teilen. Eineinhalb Stunden waren wir ca. gemeinsam unterwegs. Der Vater und ich haben uns über Vieles unterhalten: Über meine Reisepläne, seine früheren Reisen, die Zeit, die er mit der Familie in Vancouver gewohnt hat, sein Kunststudium, seine Hunde, meinen Hund, meine Zeit in Berlin und weiteres was mir jetzt schon gar nicht mehr einfällt. Der Sohn ist irgendwann eingeschlafen, wir haben weiter geredet. Es roch nach Hund und Käse von deren gekauften Tankstellensandwiches. Andreas hat mich dann kurz vor Freiburg bei einer Raststätte rausgelassen. Dort war ich auf dem Klo, habe mir ein neues Wasser gekauft, mein Gepäck in einer sicheren Ecke abgeladen und wieder Leute angesprochen. Mittlerweile war es ca. 14:30 Uhr. Eine nette ältere schweizer Dame hätte mich gerne Richtung Schweiz mitgenommen, das Auto war aber schon voll. Ein paar Minuten später kam ein Van mit deutschem Kennzeichen. Eine junge Frau ist ausgestiegen und hat den Reifendruck ihres Vans überprüft. Am Anfang wollte ich sie erstmal nicht stören, aber ich habe dann trotzdem meinen Mut zusammengefasst, bin zu ihr hin und habe gefragt ob sie heute denn noch weiter Richtung Schweiz oder Frankreich fährt: “Ja, nach Frankreich”. AH PERFEKT! Tatsächlich wollte sie, Ilayda (28), bis nach Südfrankreich und wir haben uns so gut verstanden, das war ein richtiger Glücksgriff. Stundenlang sind wir gemeinsam gefahren und die Konversationen wurden auch nie langweilig. Ilayda wohnt eigentlich mit ihrer Freundin in Portugal, aber war in Deutschland zu Besuch bzw. wollte dann nach Frankreich wegen einem befristeten Filmprojekt ihrer Arbeit. Während der Fahrt waren es draußen ungefähr 30 Grad, drinnen auch mindestens 25. Die Sonne schien die ganze Zeit durch die Windschutzscheibe auf meine Oberschenkel und meinen gesamten Oberkörper. Mir war also unglaublich heiß. Wie viele Liter Wasser ich an dem Tag getrunken habe, habe ich irgendwann aufgehört zu zählen. Ilayda meinte irgendwann sie möchte abends auf einem Campingplatz übernachten. Das hat sich in dem Moment für mich auch sehr toll angehört. Dann könnte ich mich sogar duschen, habe ich mir gedacht. Eigentlich war erst der Plan, dass ich nördlich von Lyon, wo sich unsere planmäßigen Wege trennen, an einer Raststätte aussteige und ich mir in der Nähe eventuell einen Schlafplatz suche. Dann könnte ich am nächsten Tag direkt an meiner Route westlich Richtung Bordeaux nach weiteren Mitfahrgelegenheiten suchen. Da ich allerdings dermaßen platt und überhitzt war, habe ich mich für die entspannte Campingplatz-Variante entschieden. Nachdem wir einen Campingplatz südlich von Lyon ausgesucht (Camping LE DAXIA, wirklich schöner Standort) und dort mit einem “Pardon, parlez-vous anglais?” angerufen und uns angemeldet haben, haben wir uns beide ziemlich auf unseren entspannten Schlafplatz gefreut. Um 8 mit dem letzten Tageslicht angekommen haben wir uns angemeldet, einen Zeltplatz ausgesucht und nach dem Zelt aufbauen, Abendessen und duschen sind wir bei klarem Sternenhimmel eingeschlafen.

Mein klitzekleines Gepäck für die Reise

Übernachtung auf dem Campingplatz LE DAXIA an Tag 1

Am nächsten Morgen (14.09) bin ich den Campingplatz abgelaufen und habe mich an einem Bach hingesetzt und die Reste des syrischen Essens verputzt. So konnte ich diesmal ausgeschlafen, langsam und sehr dankbar über die bisher geschaffte Strecke meinen Tag starten. Nach ausgiebiger Suche nach einem strategisch sinnvollen Ort, an dem mich Ilayda auf ihrem weiteren Weg in den Süden absetzen kann war der Plan gesetzt: Wir packen alles wieder ins Auto, in 5 Minuten Entfernung werde ich an der Bundesstraße abgesetzt, mit der ich wieder Richtung Lyon und dann in den Westen fahren kann. Dann gab es allerdings die Überraschung, die alles anders gebracht hat: Das Auto ist nicht angesprungen. Nach kurzer Überforderung haben wir gedacht es muss sicher an der Batterie liegen. Der Campingplatzbesitzer hat uns also das Auto überbrückt und wir waren wieder erleichtert. Wir haben allerdings bemerkt, dass all meine Sachen hinten im Auto eingesperrt sind und ich an die ohne den Autoschlüssel nicht komme. Das Auto wollten wir innerhalb der nächsten Minuten aber definitiv nicht wieder aus machen also habe ich eine Planänderung vorgeschlagen: Ich fahre einfach weiter mit in den Süden und bei der nächsten Möglichkeit, bei der sich die Autobahn auch wieder nach Westen abzweigt steige ich aus. So bin ich also bis Narbonne mitgefahren. An sich bin ich so einen Umweg gefahren, aber so hatte ich trotzdem einen Fahrplatz für weitere 3 Stunden bei einer netten Fahrerin. Außerdem hatte ich ein gutes Gefühl bei dem Gedanken weiter mit ihr zu fahren. Ich dachte mir, vielleicht ist es wohl einfach besser so. Bei der Raststätte kurz vor Narbonne abgesetzt ging es nach unserer Verabschiedung auch schon wieder los mit der Fragerei, ob mich jemand mitnehmen kann. Der Nachteil heute: Es ist schon Nachmittag und leider auch echt sehr heiß. Viel habe ich auch wieder nicht gegessen, ich habe mich nur von Teigwaren ernährt. Nach wirklich langer Wartezeit von 1,5 Stunden in der Sonne und vielen Konversationen in einem Mix aus Englisch, Spanisch und Französisch hat mich dann endlich ein Französisch-Spanisches Paar erlöst. Mit den beiden bin ich bis kurz vor Toulouse gekommen, wo ich mir bereits eine Übernachtungsmöglichkeit über Park4Night ausgesucht habe. Anfangs habe ich über ein paar Brocken Französisch das Gespräch starten können, der Mann hat dann Spanisch mit ins Spiel gebracht und gefragt, ob das besser für mich sei. Ich meinte ja, auf jeden Fall. Durch das ständige hin und her zwischen dem Französisch der Frau und dem Spanisch des Mannes haben sich Spanisch und Französisch in meinem Kopf zu einer reinsten Suppe vereint, sodass ich letztendlich total verwirrt war und von beidem quasi nichts mehr sprechen konnte. Also gut, mein Spanisch muss ich auf jeden Fall wieder üben, dachte ich mir. Bei einer Autobahnraststätte wurde ich abgesetzt und habe mich auf den Weg zur Übernachtungsmöglichkeit gemacht. Den Ort habe ich ausgesucht, weil er per Fuß nicht weit entfernt von der Autobahn lag, ich nicht ganz so alleine mitten im Nirgendwo liege falls auch andere Camper dort sind und mich von dort vielleicht sogar ein Camper am nächsten Tag wieder bis zur Autobahn fahren kann. Laut Google Maps standen 30 Minuten Fußweg bevor. Die Hitze, mein schweres Gepäck und dass ich so wenig gegessen habe, haben das Ganze dann doch nicht so entspannt gemacht. Kaum war ich 5 Minuten von der Raststätte unterwegs habe ich einen Mann auf dem Feld nebenan stehen sehen und bin auf einmal von lauten Schüssen erschrocken. Was geht denn hier ab? Kurz nach den Schüssen ist ein Hund aufs Feld gerannt und hat etwas geholt. Dann nochmal Schüsse, Vögel fliegen langsam auf den Boden. Beide haben mich vorbeilaufen sehen, der Hund bellte mich an, der Mann stand da mit seiner Schrotflinte. Entspannter Urlaub, dachte ich mir und habe so getan als hätte ich beide nicht gesehen und als hätte ich gerade nicht eine riesen Angst an denen vorbeizulaufen. So schnell bin ich mit so viel Gepäck wirklich noch nicht gelaufen, ich wollte einfach so schnell es geht zu meinem Schlafplatz und vermeiden, dass dieser gruselige Typ nicht sieht wo ich meinen Schlafplatz aufbaue. Wirklich keine Minute länger als Google Maps angezeigt hat, bin ich dort angekommen und habe mein Zelt aufgebaut. Auf dem Platz stand tatsächlich ein Camper, der direkt zu mir gelaufen ist und gefragt hat wo ich her komme und ob ich Hilfe brauche. Er ist selbst absoluter Weltenbummler und wir haben uns auf Anhieb verstanden. Er hat mir direkt einen Hammer gegeben, um die Heringe auch bei dem trockenen Boden in den Boden zu bekommen und ein Bier und eine kalte Dusche angeboten. Weil ich so platt war, war ich schon kurz davor in den Kanal neben meinem Zelt zu springen, um meinen Kopf von tomatig auf käsig wieder abzukühlen. Aber das Angebot hat sich natürlich besser angehört. Kurz habe ich überlegt, ob es safe ist, bei einem Mann den ich erst ein paar Minuten kenne im Camper zu duschen. Ich habe mich aber wohl gefühlt und hatte ein gutes Bauchgefühl, das mich normalerweise nie täuscht. Also habe ich mich im Wohnmobil geduscht und danach wieder wie ein neuer Mensch gefühlt. Ich kam aus der Dusche und der ganze Tisch stand voll mit Essen. Also haben wir uns ein paar kleine Bier geteilt und ich habe ein bisschen vom Essen probiert, weil ich nicht unhöflich sein wollte. Ich hatte zwar Hunger, aber das meiste davon war Fisch/Fleisch/Meeresfrüchte, was ich alles normalerweise nicht esse. Es gab Salami, getrockneten Thunfisch, gegrillte Paprika gefüllt mit Meeresfrüchten-Paste (?), Oliven mit Sardellen gefüllt, Brot und einen Nussmix. Vom Tintenfisch habe ich ein Stück probiert, das hat mir aber nicht wirklich geschmeckt, weil es mir einfach zu fischig war und ich so einen Geschmack nicht mehr gewohnt bin. Die Paprikas haben tatsächlich nur nach gegrillten Paprikas geschmeckt, also habe ich davon ein paar mit Brot und Nüssen gegessen. Er hat mir die Salami immer wieder angeboten und meinte dass sie sehr gut ist, aber ich hab immer wieder verneint und gemeint dass ich normalerweise kein Fleisch und Fisch esse und es deswegen nicht unbedingt brauche. Und er dann “ahh okay, so you are um…. um… a vegetable?” Wahrscheinlich wusste er nicht das Wort vegetarisch/vegan auf englisch. Ich am Lachen: “yess I’m a vegetable”. Nice, also haben wir das auch geklärt. Nachdem mir Eric alles mögliche aus seinem wirklich vielseitigem und verrücktem Leben erzählt hat, ging es für mich nach ein paar Bieren ins Bett. Er war um die 60, hatte schon vier Frauen, lebt aktuell in seinem Wohnmobil, hat aber auch eine Segelyacht, ein Haus und wahrscheinlich auch sonst so ziemlich viel Geld, weil er überall auf der Welt schon so viele verschiedene Jobs und Firmen hatte. Zum Beispiel war er Skipper in der Karibik für riesige Segelyachten, hat auf Madagaskar Pools für Resorts gebaut, ein Öko-Hotel nur aus Treibholz gebaut, und in der Schweiz Privatjets nach Wünschen der superreichen Kundinnen gebaut. Überhaupt nicht meine Welt, aber er hatte viele lustige Geschichten auf Lager. Was ein toller Tag! Außerdem habe ich mir für den nächsten Tag eine Mitfahrgelegenheit nach Toulouse gesichert, weil Eric am nächsten Nachmittag in Toulouse arbeiten musste. Wenn ich nicht mit Ilayda bis zum Campingplatz gefahren wäre und das Auto normal angesprungen wäre, hätte ich das so alles nicht erlebt und ich bin deshalb sehr dankbar und müde in den Schlaf gefallen mit der Zuversicht, dass auch wenn Dinge erstmal so scheinen als würden sie nicht laufen, es letztendlich doch immer alles schön wird. So komplett nach Plan kann ich bei meiner großen Reise auch gar nicht leben, das wäre gar nicht möglich und gerade das Schöne sind ja die Momente beim Reisen, die man echt überhaupt nicht erwartet hat. Und die Hilfsbereitschaft und interessanten Geschichten von Leuten die man unterwegs trifft, die ganz anders sind als man selbst.

Langsamer Start morgens beim Campingplatz

Übernachtung neben dem Kanal bei Pompertuzat an Tag 2

Am Dienstag Vormittag sind Eric und ich nach einem kleinen Frühstück in seinem Van bis nach Toulouse gefahren und dort haben sich unsere Wege wieder getrennt. Von Toulouse aus bin ich das letzte Stück nach Bordeaux mit dem Zug gefahren, weil ich mir keinen Stress mehr machen wollte eine Mitfahrgelegenheit zu finden und ich eh schon total begeistert war, dass ich es in so kurzer Zeit so weit geschafft habe. Normalerweise setze ich meine Ziele tendenziell etwas zu groß und plane viel weniger Zeit als eigentlich realistisch ein. Aber diesmal habe ich es tatsächlich so geschafft wie ich mir das vorgestellt habe, also alles entspannt, dachte ich mir. Die Autofahrt durch Toulouse bis zum Bahnhof hat mir schon total gefallen, nach Toulouse möchte ich auf jeden Fall mal wieder. Auf der Zugfahrt war ich dann absolut begeistert wie schön die Gegend zwischen Toulouse und Bordeaux war! Eigentlich wollte ich während der Fahrt das Erlebte der letzten Tage in mein Tagebuch schreiben, aber ich konnte nicht anders als mir die ganze Zeit nur die Landschaft anzusehen. Besonders eine Gegend fand ich wunderschön wo ich mir dachte, da will ich auf jeden Fall wieder hin! Eine total hügelige Landschaft und eine Kleinstadt war in die Hügel gebaut. Jetzt, im Nachhinein bin ich mir gar nicht mehr sicher, wie der Ort genau hieß, weil ich mir unterwegs eben nichts aufgeschrieben habe. Fast ein bisschen ärgerlich, aber naja. Ich denke aber, dass es die Gegend um Agen gewesen sein muss. Falls jemand von euch schonmal dort in der Nähe war, schreib gerne in die Kommentare ob du weißt welchen Ort bzw. welche Gegend ich meine :) In Bordeaux angekommen war ich von der Lebensfreude und der Stimmung in der Stadt überrascht. So viele Leute tummelten sich im Parc des Sports Saint Michel und wirklich alle haben irgendeine Art von Sport gemacht. Basketball, Federball, Volleyball, Calisthenics…. Vor allem hatte ich das Gefühl, dass der Großteil der Stadt junge Leute sind. Abends war überall gute Stimmung, gute Musik, alle saßen draußen in Cafés, Bars, Restaurants und ich habe mir ein super leckeres Essen im veganen Restaurant “Monkey Mood” gegönnt nach meinen Tagen an wenig, teigigem und vor allem random Essen. Mit diesem veganem Essen auf Spitzenniveau lässt es sich auf jeden Fall leben und so habe ich meine letzten ereignisreichen Tage Revue passieren lassen und entspannt, gut gesättigt und mit einem Gespräch mit meinen Eltern ausgeklungen. Dann hat es aber begonnen: Die Wartezeit bis zu meinem Flixbus um 3 Uhr nachts. Weil mir nach einer Weile im Dunkeln die Parkbank doch nicht mehr so geheuer war, bin ich direkt zum Busbahnhof gelaufen, habe dort weiter gelesen, gewartet und ein bisschen geschlafen. Total fertig gings dann nachts in den Flixbus, am Mittwoch den 16. bin ich nachmittags in Santiago de Compostela angekommen und mit dem Zug weiter bis Vigo. Die Busfahrt durch ganz Nordspanien, vorbei an den Pyrenäen war wieder mit einer total schönen Aussicht verbunden, dass ich mir schon wieder dachte: Hier muss ich auch mal wieder hin. Europa hat wirklich so schöne Ecken und ich dachte mir kurz, dass man eigentlich echt nicht aus Europa raus muss, um tolle Gegenden zu sehen. Wie unnötig so weite Wege auf sich zu nehmen, wenn es doch hier auch so schön ist, dachte ich mir kurz. Ha! Da ist mir direkt meine Mutter in den Sinn gekommen, die doch die letzten Monate so oft versucht hat mich zu überreden meine Auslands-/Praktikumszeit nicht doch lieber in Europa zu machen, weil es hier doch auch so schön ist und ich dann nicht so weit weg in gefährlichen Ländern bin. Falls du das hier liest Mama: Ich muss dich leider doch enttäuschen, auch wenn du Recht hast bleibe ich trotzdem dabei und mache mich wieder auf in die große weite Welt!